Joost Faas: Lichtverschmutzung 3

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Foto-Information


Lichtverschmutzung
Die Grundlagen abendländischer Weltbetrachtung beruhen auf einer glorifizierenden Metaphysik des Lichts: »Am Anfang war das Licht«, »Das Licht besiegt die Finsternis« usw.
Diese jedem Abendländer in Fleisch und Blut übergegangene, als selbstverständlich naturgegeben erscheinende Parteinahme für einen bestimmen Bereich des elektromagnetischen Spektrums wird von Joost Faas in Frage gestellt.
Wir wissen nicht, ob er wie in Novalis’ »Hymnen an die Nacht« der spirituellen Unermesslichkeit der Nacht gegenüber dem aufrechten, aus Novalis’ Sicht, »kindischen« Positivismus des Tages den Vorzug gibt.
Auf jeden Fall hat das Licht, das Faas zeigt, nicht viel mit der objektiv plausiblen Strahlkraft der Genesis und der Aufklärung zu tun.
Wie der Titel »Lichtverschmutzung« bereits suggeriert, ist dieses Licht vergiftet und erinnert an das grüne Leuchten am Horizont bei Ankunft der Fliegenden Untertassen in trashigen B-Filmen der 50er und 60er Jahre. Die schauerlichen Theremin-Klänge muss man sich bei Faas’ Fotografien allerdings selbst dazudenken.
Bei aller Toxizität ist die luziferische Schönheit dieser Angstvisionen ist aber nicht von der Hand zu weisen und erinnert bildhaft daran, was der Name des dienstältesten Widersachers des Abendlandes ursprünglich bedeutet: »Lichtbringer«:
»Lichtverschmutzung« ist eine realistisch fotografierte Serie. Ohne nachträgliche Bearbeitungen wurde nichts hinzugefügt oder weggelassen. Die Beleuchtung der Objekte stammt ausschließlich von vorhandenen, meist künstlichen Lichtquellen. Das können Illuminationen von Fenstern, Tankstellenbeleuchtung oder Straßenlaternen sein.
Diese Arbeitsweise ermöglicht eine interessante Kombination von Urbanität und Natur, wobei die Urbanität im Bild unsichtbar ist und lediglich durch das von ihr ausgesandte Licht präsent wird.

Joost Faas (1985) graduierte 2012 an der »Stedelijke Academie voor de Schone Kunsten Hasselt (Belgien)«. Sein jetziger Wohnsitz ist Maastricht (NL).
www.jfaas.nl




Foto-Details


Fotograf: Joost Faas

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